6 Remote-Research-Methoden im Vergleich
20 Minuten, 5 Minuten oder nur 5 Sekunden? Wie lange Testpersonen sich bei einem Usability-Test mit dem Testobjekt auseinandersetzen sollen, hängt ganz von der Fragestellung ab. Und wann sollte man eigentlich Interviews durchführen?
Auch ob ein Test besser moderiert oder unmoderiert durchgeführt werden sollte, hängt zum einen davon ab, was man herausfinden möchte und andererseits auch vom Testobjekt.
Eines haben die hier vorgestellte Methoden alle gemeinsam: Sie finden remote statt, die Testpersonen befinden sich also in ihrer gewohnten Umgebung und testen auf ihren eigenen Geräten. Die Tests sind daher ortsunabhängig und näher an der Realität als Inhouse- oder Labortests. Alle Varianten kannst du auch mit deinen eigenen Testpersonen durchführen.
Wie du Remote-Usability-Tests durchführst, erfährst du in unserem Webinar „Hacking UX: Remote-UX-Testing für Einsteiger„
Wann welche Remote-Research-Methode den größten Effekt hat und wie man sie richtig einsetzt, erklären wir hier:
Inhaltsverzeichnis
Unmoderierte User-Tests
Typischerweise ca. 20 Minuten lang und perfekt für umfangreiche Analysen!
In unmoderierten Remote-Tests kannst du mit einigen Einschränkungen alles testen. Sie eignen sich zum Beispiel für:
- Tests der gesamten Onsite-Journey: Wie finden sich User auf deiner Seite zurecht? Wo würden sie abspringen? Wie kommen sie durch den Check-out?
- Prototypen: Auch Prototypen können moderiert getestet werden, solange sie voll funktionstüchtig sind. Für Low-Fidelity Prototypen sind moderierte Remote-Tests besser geeignet. Best Practices für Usability-Tests von Prototypen.
- Wettbewerber Tests: Wie wirkt deine Seite im Vergleich zu Wettbewerber-Seiten? Du kannst sowohl within group als auch between group testen.
- Software-Tests: Wie gut kommen Neu- oder Bestandskunden mit deiner Software klar?
Du kannst auch einen 5-Sekunden-Test vor den Test vorschalten, um den erste Eindruck abzufragen und im Anschluss die gesamte Website testen lassen.
Kleinere Anpassungen, die du aufgrund des ausführlichen Tests vornimmst, kannst du sehr gut mit einem 5-Minuten-Test überprüfen.
5-Minuten-Tests
Kurz, aber aufschlussreich!
Statt hitziger Diskussionen über kleine Interface-Anpassungen oder neue Features zu führen: Erstellt einfach vormittags einen 5-Minuten-Test, geht entspannt Mittagessen und danach gibt euch eure Zielgruppe schon Klarheit über eure brennenden Fragen.
5-Minuten-Tests sind sehr kurze Usability-Tests, die nur eine Aufgabe umfassen, sich daher sehr schnell erstellen lassen und die ca. 5-minütigen Videos sind schnell auszuwerten.
Für diese Fragestellungen eigenen sich 5-Minuten-Tests:
- Designvergleich: Welches Design spricht deine User am meisten an? Wo werden deine Markenwerte am besten kommuniziert?
- Feature-Tests: Wie kommt das neue Feature bei den Usern an? Können sie es von Anfang an richtig bedienen?
- Erster Eindruck: Hol dir Feedback zum ersten Eindruck einzelner Seiten (z. B. Landingpage, Startseite, Anzeige) ein.
- Werbemittel: Wie ist der erste Eindruck von Anzeigen, Flyern, Plakaten und sonstigen Werbemitteln? Sind sie überzeugend? Kommt die Message rüber?
- Suchmaschinenergebnisse: Wie gehen deine User bei der Suche vor, welche Ergebnisse sprechen sie an und warum?
- Retests: Gehe einzelnen Erkenntnissen aus vergangenen RapidUsertests näher auf den Grund oder teste deine abgeleiteten Optimierungen zielgenau.
Hier liest du alles über unsere 5-Minuten-Tests.
5-Sekunden-Tests
Perfekt für den ersten Eindruck!
Website-User entscheiden sich oft bereits nach wenigen Sekunden, ob eine Seite oder ein Angebot für sie relevant ist oder nicht. Ein gutes Design zeichnet sich deshalb darin aus, die Kernbotschaft innerhalb von maximal 5-Sekunden zu vermitteln.
Wie euer Produkt in dieser Hinsicht abschneidet, erfahrt ihr mit einem 5-Sekunden-Test.
Für diese Fragestellungen eignen sich 5-Sekunden-Tests:
- Erster Eindruck: Kommt deine Kernbotschaft an? Deckt sich der erste Eindruck der Testpersonen mit deinen Markenwerten?
- Relevanz: Ist dein Angebot relevant für deine Zielgruppe? Erfüllt es ihre Bedürfnisse?
- Design/Branding: Wirkt dein Design ansprechend auf die User? Welche Emotionen weckt es?
- Verständnis: Werden die Inhalte deines Designs auf den ersten Blick verstanden?
- Desirability: Lösen deine Website, dein Werbemittel oder sonstige Designs, bei den Usern das Verlangen aus, dein Produkt zu besitzen/nutzen? Spricht dein Produkt wirklich den größten Pain der Nutzenden an?
- Varianten-Vergleich: Du kannst innerhalb eines RapidUsertests mehrere 5-Sekunden-Tests durchführen und den Testpersonen auch randomisiert vorlegen. Dies eignet sich besonders, um die Wirkung verschiedener (Konkurrenz-)Websites oder Design-Varianten zu vergleichen.
Wie genau 5-Sekunden-Tests funktionieren, Best Practices und einige Beispielaufgaben liest du hier.
Moderierte User-Tests
Live-Interaktion mit echten Usern!
Bei moderierten Remote-Tests testen die Teilnehmenden zwar das Testobjekt auch von zu Hause aus, du kannst jedoch live mit ihnen sprechen.
Sie eignen sich daher besonders für folgende Test-Cases:
- Low-Fidelity-Prototypen: In moderierten Tests kannst du die Testpersonen besser instruieren, während des Tests führen und Nachfragen stellen, weshalb sie auch für Low-Fidelity-Prototypen geeignet sind.
- UX-Test in Kombination mit Interview: Moderierte User-Tests lassen sich wunderbar mit Interviews kombinieren – erst Website-Check und dann Research-Fragen stellen.
- Erklärungsbedürftige Produkte: Braucht dein Testobjekt längere Instruktionen oder Einarbeitungszeit? Auch dafür eignen sich moderierte Tests.
Einen Vergleich von moderierten Remote-Tests mit Inhouse-Tests findest du hier.
Ad-hoc-Tests
Der Anruf bei deinen Usern!
Mit Ad-hoc-Tests kannst du auf Knopfdruck eine Testperson befragen. Zwar ohne genauen Zielgruppeneinschränkungen, was in einigen Situation jedoch durch den Vorteil der Unmittelbarkeit ausgeglichen wird. Für diese Anwendungsfälle eignen sich Ad-hoc-Tests:
- Diskussionen sofort klären: Stell dir vor, du bist in einem Meeting, ihr führt eine lange Diskussion über eine kleine Anpassung und kommt einfach zu keinem Ergebnis. Ruft einfach schnell bei euren Usern an, in vielen Fällen geben sie euch genau den Input, den ihr zur Entscheidungsfindung braucht.
- Schnelles Design-Feedback: Unser Design-Team liebt die Ad-hoc-Tests, denn sie ermöglichen ihnen, schnelles Feedback zu ihren Screens zu bekommen, ohne jedes Mal einen kompletten User-Test aufsetzen zu müssen.
- Direkte Entscheidungsgrundlage: Wie oft wünschst du dir, mal schnell deine User um Rat oder ihre Meinung bitten zu können? Mit Ad-hoc-Tests sind sie nur noch wenige Klicks entfernt.
Natürlich ist es weiterhin wichtig, ausführliche Tests mit eurer tatsächlichen Zielgruppe durchzuführen. Ad-hoc-Tests sind jedoch super geeignet für Situationen, in denen aus Zeitgründen sonst gar nicht getestet wird.
Remote-Interviews
Tiefe Einblicke in Bedürfnisse, Emotionen und Gedankenwelt der User.
Neben Tests lassen sich natürlich auch Interviews sehr gut remote durchführen.
- Komplexe Themen & Fragen
- Exploration & Ideenfindung
- Continuous Discovery
Übrigens kannst du Remote-Interviews auch unmoderiert durchführen. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel über unmoderierte Interviews.
Zusammenfassung: Für jede Fragestellung die passende Testmethode
Hier noch einmal alle Methoden im Überblick:
- Unmoderierte User-Tests: Typischerweise ca. 20 Minuten lang und perfekt für umfangreiche Analysen.
- 5-Minuten-Tests: Kurz, aber aufschlussreich.
- 5-Sekunden-Tests: Perfekt für den ersten Eindruck
- Moderierte User-Tests: Live-Interaktion mit echten Usern
- Ad-hoc-Tests: Der Anruf bei deinen Usern. Mach auf Knopfdruck einen User-Test.
- Remote-Interviews: Tiefe Einblicke in Bedürfnisse, Emotionen und Gedankenwelt der User
Alle diese Remote-Methoden kannst du natürlich mit RapidUsertests.com durchführen.