Wir unterstützen regelmäßig gemeinnützige Organisationen und bieten ihnen reduzierte RapidUsertests an.

Als Dankeschön dürfen wir einige der Erkenntnisse vorstellen und erhalten Einblick in die Arbeitsweise der Non-Profits.

Dieses Mal: Ein Interview mit dem Produktmanager von wheelmap.org, einem Projekt der Sozialhelden.

 

Holger Dieterich von wheelmap.org

RapidUsertests: Hallo Holger, stell dich doch einmal kurz vor: Wer bist du und was machst du?

Holger Dieterich: Mein Name ist Holger Dieterich und ich bin Mitgründer von wheelmap.org einem Projekt der Sozialhelden, wo ich auch Vorstandsmitglied bin. Ich habe aber auch jahrelange Erfahrung als Produktmanager und Usability-Berater.

Und was genau ist die Wheelmap?

Wheelmap.org ist eine Online-Karte, in der jeder rollstuhlgerechte Orte suchen, finden und selbst eintragen kann.

Entstanden ist das Projekt, als ich Raul Krauthausen, den Gründer von Sozialhelden, im Studium kennenlernte. Wir waren beide der Ansicht, dass es nicht sein kann, wie schwierig es für Rollstuhlfahrer ist, neue Orte kennenzulernen, weil sie nie wissen, wie rollstuhlgerecht diese Orte sind.  So kamen wir auf die Idee, eine Karte zu entwickeln, auf der man ganz einfach geeignete Treffpunkte finden kann.

Inzwischen sind über 830.000 Cafés, Bibliotheken, Schwimmbäder und viele weitere öffentlich zugängliche Orte weltweit erfasst und ständig kommen neue dazu. Damit ist wheelmap.org die größte Rollstuhlkarte weltweit.

fröhliche Menschen in einer Bar, mindestens einer davon im Rollstuhl

Wheelmap.org hilft gehbehinderten Menschen, rollstuhlgerechte Orte zu finden (Foto: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de)

 

Wie habt ihr die RapidUsertests eingesetzt?

Bei einer gemeinnützigen Organisiation, wie wir es sind, sind die Ressourcen natürlich immer knapp. Es war aber mal an der Zeit für eine neue Version und in der Entwicklung wollten wir auch Usability-Tests nutzen. Wir sind RapidUsertests daher sehr dankbar, dass wir die Tests für einen stark reduzierten Preis machen konnten.

Ganz nach dem Motto „test early, test often“  haben wir zunächst einen Prototyp gebaut und diesen getestet, um große Fehler schon so früh wie möglich zu beseitigen.

Die zweite Test-Runde haben wir dann mit dem Live-Produkt gemacht und hier auch nochmal einige Usability-Probleme entdecken können. Zu finden ist die neue Version jetzt erstmal unter wheelmap.org/beta

für die neue Version von wheelmap.org konnten Usability-Probleme aufgedeckt werden

So sieht die neue Version von wheelmap.org aus

 

Welche Erkenntnisse konntet ihr aus den Tests ziehen?

Beim Prototypentest waren es vor allem Verständnisprobleme, die uns wichtige Hinweise für die spätere Umsetzung gegeben haben.

Wir konnten durch den Usability-Test des Prototyps schon vor der Programmierung herausfinden, welche Erwartungen und Anforderungen die Nutzer an die einzelnen Prozessschritte haben, wie zum Beispiel die Suchergebnisse.

Vor allem wenn die Erwartungen nicht erfüllt wurden, hat uns das interessante Anstöße für die Weiterentwicklung gegeben.

In der zweiten Testrunde mit der fertigen Seite gab es durch die vorangegangen Prototypen-Tests viel weniger Probleme mit dem Verständnis und der Erwartungskonformität.

Auch wenn es nicht der Kernzweck der Usability-Tests ist, konnten wir auch einige Bugs entdecken, die wir selbst  durch unsere eigene Betriebsblindheit nie gefunden hätten.

 

Die wichtigsten Erkenntnisse waren:

  • Mehrere Tester bemerkten den Restaurant-Filter nicht
  • Auch die Möglichkeit nach rollstuhlgerechten Toiletten zu suchen wurde von keinem Tester auf Anhieb gefunden und an einer anderen Stelle erwartet
  • An einer Stelle wurde die Karte nur noch unscharf dargestellt und konnte nicht weiterverwendet werden
  • Die Filterung verschwindet wieder, wenn die Detailansicht eines Ortes angeklickt wird
  • Das Ein- und Auszoomen funktionierte bei einer Testerin nicht richtig, was zu einem Orientierungsverlust führte
  • Eine Testerin konnte den gesuchten Ort nicht sofort auf der Karte wiederfinden, weil eine Markierung fehlte

 

Das Highlightvideo zeigt alle wichtigen Erkenntnisse:

 

Habt ihr schon alle Optimierungen umgesetzt? Wie seid ihr dabei vorgegangen?

Vor allem die entdeckten Bugs, aber auch kleinere Usability-Probleme, haben wir gleich an unseren Entwickler weitergegeben.

An einigen der komplexeren Probleme sitzen wir noch, um eine gute Lösung zu finden.

Ich fand es aber super, dass die Ergebnisse des Tests schon nach einem Tag da waren, so ist zwischen Aufsetzen des Tests und Umsetzung der Ergebnisse kaum Zeit vergangen.

Mann im rollstuhl vor rollstuhlgerechter City Toilette

Im Usability-Test wurde unter anderem geprüft, ob auf der Karte rollstuhlgerechte WCs gefunden werden (Foto: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de)

 

Welche Methoden/Tools nutzt ihr neben RapidUsertests, um die Nutzerfreundlichkeit eurer Seite zu optimieren? Und wie geht es jetzt bei euch weiter?

Google Analytics nutzen wir um quantitative Daten zu analysieren.

Bei kleineren Anpassungen fragen wir auch mal unser Team oder die Wheelmap-Community nach ihrer Meinung.

Ein wichtiges Thema für uns ist aktuell auch die Accessibility, also beispielsweise, dass unsere Karte auch blinden Menschen zugänglich ist. Dafür haben wir einen Entwickler beschäftigt, der Spezialist auf dem Gebiet ist. So können wir zum Beispiel die Tastatursteuerung anhand von Accesibility Guidelines ermöglichen.

Eine große Herausforderung war dabei natürlich, dass wir als sehende Menschen die Accessibility-Features nicht selbst testen konnten. Wir haben uns daher an den Blindenverband gewandt, die uns beim Testen unterstützen werden.

Als nächstes wird unser Fokus dann darauf liegen, die Wheelmap für mobile Geräte weiter zu optimieren.

Mann im Rollstuhl mit Smartphone in der Hand

Auch auf mobilen Geräten wird die Karte bald einwandfrei funktionieren (Foto: Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de)

 

Sicherlich sind jetzt einige unserer Leser neugierig geworden. Wie kann man euch denn unterstützen?

Vor allem, in dem man neue Orte markiert! Denn wir wollen natürlich, dass die Wheelmap immer weiter wächst und aktuell bleibt. Außerdem helfen uns Spenden dabei, unsere Projekte aufrecht zu erhalten (bald ist ja auch Weihnachten 😉 ). Vielleicht gibt es auch Schnittstellen zur Förderung mit den Unternehmen der Leser, so wie es bei RapidUsertests der Fall war.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

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Über den Autor

Sophie Krüger

Marketing-Managerin

Sophie Krüger hat Medienkommunikation mit Schwerpunkt Medienpsychologie studiert. Sie verantwortet unsere Kundenkommunikation und schreibt über alles rund um die Agentur.

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