Usability und Scrum: 7 Fragen an Manuel Panzirsch, UX-Leiter bei STRATO

Usability und Scrum: 7 Fragen an Manuel Panzirsch, UX-Leiter bei STRATO

Benjamin Uebel | Jul 12, 2012 | User-Experience-Tipps

Manuel Panzirsch gibt uns einen Einblick in die Arbeitsweise der Abteilung User Experience bei STRATO. Wir befragten ihn zu den Herausforderungen in seinem Job, gemachten Erfahrungen mit den RapidUsertests und der Einbindung von Scrum und Kanban. Er erzählt von anfänglichen Schwierigkeiten und seinem Weg die Akzeptanz von UX-Themen bei allen Mitarbeiter zu steigern.


1.    Wer bist Du und was machst Du?

Manuel Panzirsch (32) Abteilungsleiter User Experience bei der STRATO AG. Ich arbeite jetzt seit 4 Jahren bei der STRATO AG und unser Aufgabengebiet hat sich in den letzten Jahren ständig erweitert. Wir als Abteilung sind vor allem für die Usability unserer STRATO Produkte wie z.B. LivePages oder HiDrive verantwortlich. Wir wissen natürlich, dass es in Sachen UX immer Optimierungspotenzial gibt, deshalb arbeiten wir kontinuierlich daran, die Produkte für unsere Kunden noch besser und einfacher zu machen. Um Usability-Probleme und Nutzerbedürfnisse zu identifizieren, haben wir mittlerweile eine ziemlich umfangreiche Methoden-Toolbox entwickelt. Neben dem User Research Bereich verantworten wir auch die Erstellung von neuen Interaktions- und Designkonzepten.


2.    Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus?

Ich spreche lieber von meinem Arbeitstag als von meinem Arbeitsalltag, da ich meine Arbeit nicht als alltägliche Routine empfinde, sondern als sehr abwechslungsreich und spannend. Natürlich gibt es eine Vielzahl an Meetings, die seit der Einführung von agilen Entwicklungsmethoden bei STRATO durchaus zugenommen haben. Jedoch halte ich es für einen sehr wichtigen Schritt, um auch in Zukunft noch schneller neue erfolgreiche Produkte an den Markt bringen zu können.

Der Tag startet für mich mit unserem 15 minütigen Abteilungs-Stand Up. Dies ist mittlerweile fest in unserem Arbeitstag verankert. So erreichen wir maximale Transparenz hinsichtlich der Arbeitsprozesse der einzelnen Abteilungsmitglieder, und mögliche Probleme können rechtzeitig erkannt werden. Je nachdem was ansteht, unterstütze ich anschließend bei der Durchführung von Usability-Tests, bespreche Umfragen oder Interaktionskonzepte. Ein eigenes Projekt, wie ich leider lernen musste, kann ich, seitdem ich Abteilungsleiter bin, nicht mehr selber zu 100 Prozent betreuen. Daher stehe ich für jedes Abteilungsmitglied immer als Sparringspartner zur Verfügung. Zusätzlich sehe ich eine meiner Hauptaufgaben darin, dafür zu sorgen, dass alle in der Abteilung ohne Ablenkung arbeiten können.


3.    Eure Entwickler nutzen Scrum und Kanban. Wie koordiniert Ihr User Experience mit agiler Produktentwicklung?

Unsere Entwicklung hat sich vor ca. 2 ½ Jahren dazu entschlossen, mit einer agilen Methode zu arbeiten. Dies war ein sehr spannender Umstellungsprozess, da vor allem bei Scrum ein hohes Maß an Kommunikation notwendig ist. Unsere Rolle hierbei war damals noch nicht klar definiert. Wir haben vieles ausprobiert. Folgende Fragen haben wir dabei unter anderem häufig diskutiert:

  • Wann erstellen wir im Entwickler Scrum Prozess unsere GUI Konzepte?
  • Wann führen wir im Entwickler Scrum Prozess User Research Maßnahmen durch?
  • Wie bindend sind Interaktionskonzepte für die Entwickler?

Ich denke, aktuell haben wir auf die Fragen ganz gute Antworten gefunden. Der erste Schritt hierbei war, dass wir selber mit Scrum arbeiten und wir unsere Aufgaben in einem eigenen UX-Sprint abarbeiten. Dies hat den Vorteil, dass wir innerhalb der Abteilung über die Arbeit des anderen informiert sind und, wenn es notwendig wird, auch schnell Ressourcen von einem Projekt zum anderen verschieben können. Zusätzlich können wir hier auch eigene UX-Themen transparent für alle im Team mit aufnehmen und so z.B. unsere eigenen Prozesse kontinuierlich optimieren oder neue UX-Methoden eruieren.

Des Weiteren takten die Product Owner ihre Stories so ein, dass sie bei uns fertig werden und fließend in den Entwicklersprint übergehen. Dies ist natürlich der Idealzustand und klappt nicht immer. Den Entwicklersprint begleiten wir dann als Teil des Scrum Entwicklerteams und nehmen auch an allen Teammeetings teil. Dies ist sehr wichtig, denn nur wenn man als UX-Experte auch Kontakt mit dem gesamten Scrum Entwicklerteam hat, kann man die Teammitglieder für UX-Themen sensibilisieren. Dies erzeugt für uns natürlich einen gewissen Overhead und in manchen Wochen stehen aufgrund dessen relativ viele Meetings an. Jedoch wird dieser Mehraufwand durch die schnelleren Entwicklungsergebnisse und die bessere Qualität der Produkte wieder ausgeglichen.

Zusätzlich haben wir eine umfangreiche STRATO Guideline erstellt, die eine Vielzahl an Constraints für die Entwicklung definiert. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass agile Entwicklungsmethoden auch für User Experience Teams absolut sinnvoll sind. Jedoch haben wir das Scrum Framework an unsere speziellen Bedürfnisse angepasst. Aus meiner Sicht ist vor allem eine gute Integration in den Scrum Entwicklersprint notwendig. Wir nehmen bei STRATO noch weitere Rollen im Rahmen von Scrum und Kanban ein. Diese hier ausführlich zu beschreiben, würde jedoch zu weit führen.


4.    Welche Akzeptanz hat das Thema „User Experience“ bei den Entwicklern? Was unternehmt Ihr, um die Akzeptanz weiter zu erhöhen?

Die Akzeptanz von User Experience in Firmen ist ein sehr spannendes und interessantes Thema. Als wir vor ca. 4 Jahren bei STRATO anfingen, gab es relativ wenig UX Know-how bei STRATO und wir mussten diesbezüglich einiges an Überzeugungsarbeit leisten. Interaktionskonzepte konnten am besten in Verbindung mit einem tollen Design überzeugen.

Im Nachhinein denke ich, dass diese Phase ganz normal für ein neues Team ist, zumal wenn es ein relativ unbekanntes Thema betreut. Heute hat sich dies aus meiner Sicht grundlegend geändert. Wir haben aber auch einiges ausprobiert, um die Akzeptanz für UX Themen zu erhöhen. Einer der wichtigsten Punkte ist, wie bereits erwähnt, die Transparenz der eigenen Arbeit. Diese wurde durch die Einführung von Scrum und den offenen Meetings wie z.B. dem täglichen Stand Up nochmals verbessert. Dennoch darf man aus meiner Sicht nicht glauben, dass, nur weil alle Informationen über die eigene Arbeit im Intranet veröffentlicht sind oder jeder zu den UX-Meetings kommen kann, dies auch automatisch wahrgenommen wird.

Aus meiner Sicht funktioniert Transparenz nicht nur darüber, dass man alles transparent für alle zur Verfügung stellt, sondern vielmehr indem man die Leute abholt und wichtige Ergebnisse übersichtlich und verständlich aufbereitet. Wir in der UX-Abteilung haben aus diesem Grund einen regelmäßigen UX-Letter eingeführt. Hier informieren wir alle STRATO Mitarbeiter über neue spannende Untersuchungen. Auch Video Ausschnitte von Usability-Tests werden über diesem Weg zur Verfügung gestellt. Die Response des UX-Letters ist sehr positiv. Jeder vierte STRATO Mitarbeiter klickt auf einen Link innerhalb der Mail.

Des Weiteren haben wir Usability-Tests in einem Konferenzraum live übertragen, sodass jeder STRATO Mitarbeiter zusehen konnte. Dies ist natürlich etwas aufwendiger in der Organisation. Interessante Testergebnisse werden für einzelne Scrum-Teams als Präsentation aufbereitet und in einem kurzen Meeting vorgestellt und diskutiert. Zusätzlich werden die wichtigsten Untersuchungsergebnisse für alle STRATO Mitarbeiter im Intranet als Kurzreport angeboten. Natürlich ist dies alles ziemlich aufwendig und erzeugt zusätzlich auch mehr Arbeit, jedoch bin ich davon überzeugt, dass es sich lohnt. Ich erlebe hin und wieder, dass UX-Buzzwörter im falschen Kontext verwendet werden. Dies ist meiner Meinung nach aber nicht weiter schlimm, sondern vielmehr ein erstes Indiz dafür, dass UX-Themen für die Kollegen und Kolleginnen immer mehr an Relevanz gewinnen.


5.    Wie nutzt STRATO die RapidUsertests und welche Erwartungen hattet Ihr?

Wir sind an das Thema RapidUsertests sehr unbefangen herangegangen. Um die Qualität des Services für uns selber einschätzen zu können, haben wir uns drei kleine Aufgaben zur Webseite free-hidrive.com überlegt, die wir den Probanden in einem laborgestützten Inhouse Usability Test und im RapidUsertest gestellt haben. Natürlich ist dies kein wissenschaftlich fundierter Methodenvergleich gewesen. Dennoch haben wir wichtige Informationen erhalten, die uns halfen, den Service einzuschätzen.

Für uns ist der RapidUsertest ein Zusatztool zu dem klassischen Inhouse Usability Test. Der Vorteil des Services liegt für uns vor allem in dem geringen Aufwand bei der Testerstellung und -durchführung sowie in den sehr schnellen und guten Ergebnissen. Natürlich gibt es klare Grenzen bei dem Einsatz des Tools und es ersetzt für uns nicht den Inhouse Usability Test. Aktuell läuft ein RapidUsertest mit einer sehr speziellen Zielgruppe und einer Webseite, die durchaus einiges an Vorwissen voraussetzt. Ich bin gespannt, inwieweit der RapidUsertest auch hier gute Ergebnisse liefert.


6.    Welche Fehler sollte man vermeiden, wenn man nutzerfreundliche Produkte entwickeln will?

Ich würde diese Frage gerne umkehren. „Was sollte man unbedingt beachten, um nutzerfreundliche Produkte zu entwickeln?“ Eine der wichtigsten Antworten ist hier natürlich das iterative, nutzerorientierte Gestalten. Ich denke aber, dass es darüber hinaus noch einige weitere Aspekte gibt, die vor allem für eine UX-Abteilung bei der nutzerfreundlichen Produktentwicklung wichtig sind. Hierzu gehört für mich die offene und transparente Kommunikation mit allen Projektbeteiligten.

Wie ich bereits öfters erwähnt habe, bin ich der Meinung, dass auch Entwickler und Produktmanager bei der GUI Konzeption im geeigneten Maß integriert werden müssen. Des Weiteren sollte man als Teil der User Experience Abteilung seinen eigenen Entwürfen gegenüber immer kritisch sein und, wenn es erforderlich ist, diese auch mal rechtzeitig verwerfen können. Daher denke ich, dass viele Aspekte der agilen Entwicklungsmethode Scrum auch sehr gut für UX-Abteilungen geeignet sind. Darüber hinaus ist eine klare Fokussierung auf den späteren Nutzer unverzichtbar. Es lohnt sich daher, hin und wieder mit Produktmanagern auch mal über einzelne Features bzw. über das bewusste Weglassen von Features – nach dem Motto „weniger ist mehr“ – zu kämpfen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass hierbei Personas eine sehr große Unterstützung sein können. Natürlich setzt dies voraus, dass die Personas firmenweit akzeptiert werden.


7.    Gibt es Bücher, Webseiten oder Blogs, die Du empfehlen kannst?

Ich selber lese regelmäßig den Blog von eresult (usabilityblog.de). Dort gibt es immer wieder sehr spannende und interessante Artikel. Auch einige Bücher zum Thema Usability kann ich empfehlen. Besonders in Erinnerung ist mir das Buch Qualität im Web: Benutzerfreundliche Webseiten durch Usability Evaluation von Werner Schweibenz und Frank Thissen.

Während ich meine Masterarbeit geschrieben habe, setzte ich mich sehr intensiv mit dieser Publikation auseinander. Die Autoren schaffen es, die Themen Usability und Usability-Tests sehr verständlich und nachvollziehbar darzustellen. Das Buch ist besonders als Einführung geeignet. Ein anderes Buch, was ich nicht nur aus nostalgischen Gründen empfehlen kann, ist Website-Testing von Frank Reese. Er beschreibt auf sehr kurzweilige und amüsante Art, wie man seine Webseite kontinuierlich optimieren kann. Jedoch scheint er nach meinem Eindruck kein Freund von Usability-Tests zu sein. Er setzt eher auf ausgefeilte A/B Tests.

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Über STRATO:

STRATO ist Europas zweitgrößter Anbieter von Internet-Speicherplatz und Webanwendungen mit mehr als 1,4 Millionen Kundenverträgen und 4 Millionen Domains. In den Hochleistungsrechenzentren in Berlin und Karlsruhe betreibt STRATO mehr als 40.000 Server für sechs europäischen Länder. Regelmäßig überprüft und bestätigt der TÜV durch die Zertifizierung nach ISO 27001, dass Websites, Server, Online-Shops und Unternehmensapplikationen in diesen Rechenzentren sicher aufgehoben und hoch verfügbar sind.

Usability in der Praxis: 12 Fragen an Hendrik Neumann, Web-Konzepter bei Chefkoch

Usability in der Praxis: 12 Fragen an Hendrik Neumann, Web-Konzepter bei Chefkoch

Userlutions Team | Mrz 15, 2012 | User-Experience-Tipps

Diesmal hatten wir die Gelegenheit, mit Hendrik Neumann – Web-Konzepter beim Portal Chefkoch – zu sprechen. Wir befragten ihn zu den aktuellen Herausforderungen in seinem Job, gemachten Erfahrungen mit Usability-Tests und der zukünftigen Ausrichtung von Chefkoch.


1. Wer bist Du und was machst Du? Stelle Dich doch mal kurz vor:

Ich bin seit Sommer 2011 bei der Pixelhouse GmbH als Web-Konzepter für das Portal chefkoch.de angestellt. Die Aufgaben sind größtenteils vergleichbar mit denen eines Produkt- oder Projektmanagers bei anderen Portalen.


2. Thema erfolgreiche Produktentwicklung: Was sind
 wichtige bzw. zentrale Erkenntnisse, die Du hierzu an unsere Leser weitergeben kannst?

Man sollte immer die Brille des Nutzers aufsetzen, sich also fragen: Welchen Content erwartet der Nutzer, und auf welchen Wegen möchte er ihn erschließen? Erst danach sollte man sich Gedanken machen, wie man die Seite vermarktet. Portale, die offensichtlich rein aus der Sicht der Werbekunden entwickelt wurden, haben meines Erachtens langfristig keine Chance im Web.


3. Welche Erfahrungen & Erkenntnisse hast Du bisher mit Usertests sammeln können?

Ich habe sowohl selbst Usertests „vor Ort“ durchgeführt als auch Tests online beauftragt. Letzteres zeichnet sich durch ein vielfach günstigeres Preis/Leistung-Verhältnis aus, allerdings kann man nach der Durchführung dem Probanden nicht unmittelbar Fragen stellen, die sich erst im Laufe des Tests ergeben.


4. Welche Tools verwendest Du in Deinem Alltag als Web-Konzepter?

Ich habe letztes Jahr gute Erfahrungen mit der Erstellung von Heatmaps über clicktale.com gemacht. Daneben nutze ich Standardprodukte wie Google Analytics oder interne Wikis zur Dokumentation. Vor kurzem habe ich das erste Mal euer Produkt die rapidusertests genutzt, und in Zukunft würde ich gerne zusätzlich mit A/B-Test experimentieren.


5. Was sind für Dich überraschende Erfahrungen im Umgang mit Usern gewesen? 

User benutzen die Suchfunktion auf unserem Portal nicht nur, um Inhalte zu finden, also Rezepte, Artikel oder Forenbeiträge. Sie nutzen sie auch, um Funktionen unserer Website ausfindig zu machen. So tippen Nutzer auch den Begriff „Kochbuch“ in den Suchschlitz, wenn sie den Link zu diesem Feature gerade mal nicht finden.


6. Wie stellst Du sicher, dass Eure Produkte nutzerfreundlich sind?

Wir bekommen viel Feedback durch unsere Nutzer über den Support und im Forum. Zusätzlich führen wir Nutzertests durch. Außerdem sollte man immer im Blick behalten, welche Usability-Standards sich im Internet etablieren.


7. Wann ist für Dich ein Produkt nutzerfreundlich?

Eine Internetseite muss ohne „Bedienungsanleitung“ auskommen, das heißt dass zum Beispiel selbst komplizierte Filtermöglichkeiten in der Suche weitgehend selbsterklärend sein müssen.


8. Gibt es Bücher, Webseiten oder Blogs, die Du unseren Lesern empfehlen kannst?

Usabilityblog.de und der Newsletter von useit.com sind gute Anlaufstellen im Internet. Als Bücher empfehle ich „Die Elemente der User Experience“ von Jesse James Garrett und den Klassiker „Don’t make me think!“ von Steve Krug. Beide Bücher hat man schnell durchgearbeitet und meines Erachtens dabei in kurzer Zeit einen hohen Erkenntnisgewinn erzielt.


9. Welche Produkte stehen für Dich für gute Usability – welches Produkt sollte unbedingt mal Usergetestet werden?

Der 1-Click-Bestellvorgang bei Amazon ist fast schon erschreckend einfach. Es gibt aber auch immer noch reine Flash-Sites, die schick aussehen aber unbenutzbar sind. Probiert doch mal, auf converse.de im Katalog einen bestimmten Schuh zu finden und dann einen Link zu diesem Produkt zu verschicken. Zur Ehrenrettung der Marke sei gesagt, dass converse.com dagegen sehr brauchbar ist.


10. Was ist die Besonderheit, Web-Portale zu konzipieren und zu entwickeln im Vergleich zu E-Commerce-Shops oder anderen Webseiten?

Die Nutzer haben oft sehr unterschiedliche Ziele auf einem Portal. Bei Chefkoch müssen zum Beispiel alle Inhaltstypen wie Rezepte, Magazinartikel und Forenbeiträge gleich gut erreichbar sein. Im Vergleich zu Shops gibt es oft nicht eindeutig definierte conversion rates, auf die ich gezielt optimieren könnte.


11. Welches ist Deine goldene Usability-Regel/Erkenntnis?

Jeder Test lohnt sich – selbst ein Test mit nur zwei Nutzern bringt mehr Erkenntnis als gar kein Test.


12. Welche Themen sind für Dich gegenwärtig spannend? Wo geht der Trend hin? Was sind zukünftig spannende Fragen im Alltag eines Web-Konzepters bei chefkoch.de?

Die großen Trends im Bereich der Online-Medien-Nutzung beschäftigen natürlich auch uns. Wir haben letztes Jahr eine App für das iPhone veröffentlicht, Android soll dieses Jahr folgen. Daneben beobachten wir die zunehmende Verbreitung von Tablets und die Entwicklungen im Bereich Social Media.

Hendrik, vielen Dank für das Interview.
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Über chefkoch.de:

Chefkoch.de wurde bereits 1998 gegründet ist mit über 200.000 Rezepten und mehr als 1 Mio. registrierten Mitgliedern Europas größte Kochcommunity. Neben Rezepten, Magazinartikeln und Kochvideos finden Nutzer in über 10 Mio. Forenpostings Antworten auf alle Fragen rund ums Kochen. Unterwegs ist Chefkoch per iPhone-App und mobiler Webseite verfügbar.

9 Fragen an: Arne Gerdes, Produktmanager bei GameDuell

9 Fragen an: Arne Gerdes, Produktmanager bei GameDuell

Benjamin Uebel | Jan 24, 2012 | User-Experience-Tipps

Vor kurzem hatten wir die Gelegenheit, ein Interview mit Arne Gerdes von GameDuell zu führen. Wir befragten Arne zu den Themen Produktmanagement im Spielebereich, der Durchführung von Usability-Tests im Alltag und aktuellen Themen in der Spiele-Branche.


1.    Wer bist Du und was machst Du? Stelle Dich doch mal kurz vor:

Ich heiße Arne und bin Produktmanager für mobile Spiele bei GameDuell. Dort arbeite ich in der Konzeption. Davor arbeitete ich als Produktmanager eines Städteportals.


2.    Thema erfolgreiches Produktmanagement: Welches sind Deine zwei wichtigsten Erkenntnisse?

Erstens, es wird immer Probleme geben.  Zweitens, Du wirst nie genau wissen, wo die Probleme liegen.  Dagegen hilft nur testen, testen, testen. Das einzige Mittel gegen Betriebsblindheit, die sich zwangsläufig einstellt.


3.    Welche (vermeidbaren) Fehler kannst Du immer wieder in der Praxis beobachten?

Es wird häufig versucht, aus quantitativen Umfragen klar interpretierbare Ergebnisse für Fragen der Usability zu bekommen – was in der Praxis nach meiner Erfahrung sehr schwer ist.

Usability-Probleme findet man am besten durch Beobachtung. Wenn schon Online-Survey, dann sollte man möglichst viele offene Fragen stellen. Das erschwert zwar die Auswertung, man schränkt den Raum möglicher Antworten aber nicht zu sehr ein.


4.    Welche Empfehlungen hast Du für den Umgang mit Entwicklern und Designern?

Alle am Produkt beteiligten Personen sollten unbedingt in Usability-Tests einbezogen werden. Wenn man die Ergebnisse nur berichtet, gibt es zwar ein Verständnis für die Probleme, aber nicht zwangsläufig die höchste Motivation, diese auch zu beheben. Denn klar macht es nicht so viel Spaß, eine Funktion noch einmal zu überarbeiten, wenn man auch neue Features entwickeln könnte.

Sobald man jedoch mit eigenen Augen sieht, wie ein Tester mit dem entwickelten Produkt nicht klar kommt, kann die Motivation kaum höher sein. Genau das Gleiche gilt übrigens für alle Entscheidungsträger wie zum Beispiel Geschäftsführer.


5.    Wie stellt Ihr sicher, dass Eure Produkte nutzerfreundlich sind?

Ganz klar, immer wieder testen. Wir haben einen sehr guten Interaktions-Designer im Team, der immer wieder eine ganz andere Sicht auf das Produkt mit bringt und für viele Fragestellungen einen guten Lösungsansatz parat hat. Außerdem sollte man so viel wie möglich hinterfragen und nichts als gegeben betrachten. Nur ein Punkt gilt eigentlich immer: Wenn ein Produkt überfrachtet daher kommt, ist es nicht mehr nutzerfreundlich.


6.    Welche Produkte stehen für Dich für gute Usability – welches Produkt sollte unbedingt mal mit Usern getestet werden?

Amazon ist schon ein Phänomen: Nüchtern betrachtet wirkt die Seite völlig überfrachtet. Sobald man anfängt etwas zu suchen, wird man jedoch erstaunlich gut durchgeleitet. Generell finde ich, dass E-Commerce-Seiten heutzutage sehr aufgeräumt und durchdacht aufgebaut sind.

Facebook dagegen ist ein zweischneidiges Schwert: Teilweise würde ich den Laptop gerne aus dem Fenster schmeißen, bspw. bei den Privacy-Einstellungen. Andererseits haben sie es aber geschafft, Flow zu erzeugen. Man klickt immer weiter, das erinnert teilweise fast schon an das Fernsehen.


7.    Wenn Usability ein Tier wäre, welches wäre es?

Haha, interessante Frage. Vielleicht sollte sie ein Chamäleon sein: Du siehst es nicht, aber es ist da.


8.    Was ist die Besonderheit, Spiele zu konzipieren und zu entwickeln im Vergleich zu Webseiten?

In einem Spiel gibt es viel mehr Interaktionspunkte als auf einer Webseite. Bei Webseiten musst du zunächst herausfinden, was die Besucher der Seite eigentlich wollen. Beim Design eines Spiels hat man tendenziell mehr Freiheiten. Denn es gibt ja nur ein großes Ziel: Du willst die Spieler gut unterhalten. Ich finde es bei einem Spiel leichter, sich in die Nutzer hineinzuversetzen als bei einer Webseite.

Normalerweise merkt man sofort, ob es Spaß macht und unterhält, allerdings wirst du viel Zeit damit verbringen, die vielen Interaktionspunkte zu konzipieren, das richtige Fein-Tuning zu finden und nicht zuletzt dem Spieler das Spiel zu erklären.


9.    Welche Themen sind für Dich gegenwärtig spannend?

Gamification ist für mich ein spannendes Thema. Allerdings bedeutet Gamification nicht, dass auf jeder Webseite Erfahrungspunkte gesammelt oder Stufen erreicht werden müssen. Jedoch können sich Webseiten in zumindest zwei Punkten einiges von Spielen abgucken: Spielerisches Lernen und Spaß im Umgang mit dem Produkt, sprich die User Experience. Nur eines von vielen Beispielen sind Touren, die ja im Kern nichts anderes sind, als ein Tutorial für eine Webseite oder eine Dienstleistung.

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Über Game Duell:

GameDuell ist Europas größter Spieleanbieter, der Social Games sowohl auf eigenen Websites, auf Sozialen Netzwerken, als auch auf mobilen Geräten, wie z.B. iPhone, iPad und Android anbietet. Die Gewinner der Spiele erhalten im Gegensatz zu ähnlichen Angeboten Geld statt Sachpreisen oder virtuelle Güter. Kooperationen bestehen unter Anderem mit Bild.de, Lycos, MSN oder Web.de.