Wie Sie mit Crowd-Usability-Tests die Langzeitnutzung Ihres Produkts besser verstehen

Wie Sie mit Crowd-Usability-Tests die Langzeitnutzung Ihres Produkts besser verstehen

Benjamin Uebel in Testing-Tipps
Lesezeit: 3 Minuten · 11. Oktober 2016
von | 11. Oktober 2016 | Testing-Tipps

Usability-Tests und damit auch herkömmliche RapidUsertests haben eine Schwäche. Sie sind zwar sensationell gut darin, User-Experience-Probleme bei der erstmaligen Nutzung eines Produkts aufzudecken; einige User-Experience-Probleme zeigen sich jedoch erst bei der kontinuierlichen Verwendung eines Produkts im Alltag.

Wir nutzen Apps und andere Online-Tools beim Kochen, beim Joggen, beim Taxiruf, auf Reisen, im Büro-Alltag… Ihre Stärken und Schwächen offenbaren sie oft erst in der täglichen Praxis. Sicherlich könnten auch Sie auf Anhieb einige Dinge aufzählen, die Sie an regelmäßig verwendeten Apps stören oder vermissen. Doch wie können Betreiber eines solchen Tools möglichst unkompliziert herausfinden, was Ihre Nutzer nach regelmäßiger Verwendung des Produktes empfinden?

Auch hierfür eignet sich Crowd-Usability-Testing – nur etwas anders angewendet, als Sie das bisher kennen.

Kartenapps sind ein typischer Fall für Langzeit-Crowd-Usability-Tests

Karten-Apps werden typischerweise unterwegs verwendet. Sie decken Ihre Schwächen oft erst bei der regelmäßigen Verwendung im Alltag auf, wenn viele verschiedene Use-Cases durchlaufen wurden.

Karten-Apps werden typischerweise unterwegs verwendet. Sie decken Ihre Schwächen oft erst bei der regelmäßigen Verwendung im Alltag auf, wenn viele verschiedene Use-Cases durchlaufen wurden.

Crowd-Usability-Tests als Langzeitstudien – Fallbeispiel

Für einen App-Test haben wir kürzlich eine Methodik entwickelt, um mit RapidUsertests auch Einblicke in die längerfristige Nutzung eines Produkts zu erhalten.

Die besagte App soll Autofahrer unter anderem beim benzinsparenden Autofahren unterstützen. Durch einen herkömmlichen Usability-Test ließe sich nur die Bedienbarkeit und der erstmalige Eindruck der App testen, nicht aber, ob sie tatsächlich ihren Zweck erfüllt. Daher rüsteten wir unsere Tester bereits zwei Wochen vor dem eigentlichen Nutzertest mit der App aus. Ihre Aufgabe war es, ihr Auto und die App in dieser Zeit genauso zu nutzen, wie sie es im Alltag auch tun würden.

Im anschließenden Nutzertest schilderten die Tester dann nicht nur die Probleme, die sich während der gleichzeitigen App-Nutzung stellten. Viel mehr konnten sie nun auch ihre größten Herausforderungen beschreiben, die sich während der zweiwöchigen Testphase in ihrem Auto gezeigt hatten. So konnten User-Experience-Potenziale aufgedeckt werden, die sich in einem herkömmlichen Usability-Test nicht gezeigt hätten.

Einige Beispiele:

  • Die App erzeugte einen enormen Datenverbrauch pro gefahrenem Kilometer. Den Datentarif einiger Nutzer trieb sie daher an seine Grenzen, was natürlich zu Unmut führte.
  • Die Nutzer konnten außerdem aufdecken, dass einige von der App gesammelte Daten nicht mit den Daten des Fahrzeugs übereinstimmten.
  • Auch die Bewertung bestimmter Features veränderte sich im Zeitverlauf. So erschloss sich der Mehrwert bestimmter Funktionen erst während einer längeren Nutzung. Andere Features, die beim ersten Eindruck überzeugten, wurden hingegen in der Langzeitnutzung nicht mehr als wertvoll empfunden.

Auch wir waren überrascht vom Detailreichtum und der Tiefe der Erkenntnisse in dieser Langzeitstudie. Die Tester gingen extrem gut vorbereitet in den Nutzertest. Alle hatten sich schon während der Testphase Notizen gemacht, auf die sie sich im Nutzertest beziehen konnten. Viele unterstützten diese Erkenntnisse außerdem mit Screenshots, die sie während der Testphase aufgenommen hatten.

Mit Langzeit-Crowd-Usability-Tests testen Nutzer die Usability der App im Auto

Mit den Langzeit-Usability-Tests konnte unser Kunde herausfinden, wie die Nutzer die App im Alltag verwendeten und welche Probleme ihnen beim täglichen Gebrauch auffielen.

Vorteile des Einsatzes von Crowd-Usability-Tests als Langzeitstudien

Folgende Vorteile zeigten sich in diesem Vorgehen:

  • Vielen Testern scheint es leichter zu fallen, über ihre Langzeit-Erfahrungen zu reden, als darüber zu schreiben (wie zum Beispiel in Tagebuchstudien). Sie erzählen detaillierter und können Ihre Probleme besser beschreiben, weil sie das Gefühl haben, dass ihnen jemand zuhört.
  • Beim Usability-Test erklären die Tester ihre Probleme während sie das Produkt nutzen und demonstrieren sie direkt am Produkt. Das ist zum einen verständlicher und nachvollziehbarer und zum anderen fallen ihnen viel mehr konkrete Details ein. Das macht die Interpretation der Ergebnisse deutlich einfacher.

Gerade für Produktmanager von Apps und Websites, die regelmäßig und im Alltag verwendet werden, ist diese Methodik eine gute Alternative zu Tagebuchstudien. Mögliche Anwendungsgebiete könnten sein: Abo-Produkte wie Musik- und Video-Streaming, Kollaborations-Apps, Planungs- und Organisations-Apps, Tracking-Apps sowie Produkte, die häufig verwendet werden, wie z.B. die Bahnauskunft.

Ist diese etwas andere Anwendung von Crowd-Usability-Tests für Sie relevant? Wie würden Sie diese Methodik nutzen?

Bei Fragen zu diesem Thema chatten Sie uns gerne an, schreiben Sie eine E-Mail an info[at]userlutions.com oder rufen Sie an unter 030 544 87 024.

Warum selbst die Top-Elektronik-Onlineshops an einer guten Suchfunktion scheitern – Eine RapidUsertest-Studie

Warum selbst die Top-Elektronik-Onlineshops an einer guten Suchfunktion scheitern – Eine RapidUsertest-Studie

Antje Lasner in User-Experience-Tipps
Lesezeit: 4 Minuten · 17. Februar 2014
von | 17. Februar 2014 | User-Experience-Tipps

Wer suchet, der findet? Weit gefehlt, wie wir in Usability-Tests von Online-Shops immer wieder feststellen. Selbst die umsatzstärksten Shops vernachlässigen ihre Suchfunktion und vertun dabei ein großes Conversion-Potenzial. Aber, kein Grund zur Verzweiflung! Wir haben in einer RapidUsertests-Studie zu Shop-Suchfunktionen 5 entscheidende Kriterien herausgearbeitet, die dies verhindern.

Nach einer erfolgreichen Suche konvertieren Besucher besser

Aus über 1.000 RapidUsertests wissen wir, wie oft Shopbesucher daran verzweifeln das passende Produkt direkt über die Suche des Shops zu finden. Ein Wechsel zum Branchenprimus Amazon ist dann schnell getan. Viele Shopbetreiber sind sich dabei gar nicht im Klaren, wie schlecht die eigene Suche eigentlich funktioniert. Unterschätzen Sie nicht das große Optimierungspotential! Denn Besucher, die erfolgreich ein Produkt über die Suchfunktion finden, konvertieren häufig um den Faktor 3 bis 5 besser als durchschnittliche Shopbesucher.

Die RapidUsertest-Studie zu Suchfunktionen – Unser Vorgehen

Wir haben die Shop-Suchfunktionen der vier umsatzstärksten Elektroshops unter die Lupe genommen und mit Amazon verglichen.

28 Nutzer testeten die Produktsuchen von Redcoon, Conrad, Pearl und Comtech. Um möglichst viele Suchanfragen zu provozieren und die Tester dennoch in einer weitgehend realistischen Situation zu lassen, bekamen sie mehrere offene Aufgaben gestellt. Einzige Bedingung: Sie durften dafür ausschließlich die Suchfunktionen verwenden.

Das Ergebnis zeigt: Viele Suchanfragen enden für den User erfolglos!

 

Problem Nr. 1: Die Suche wird nicht mit den Hauptkategorien des Shops trainiert

Warum ist dieses Problem so gravierend? Shopsuchen vorhandener Produkte führen nicht zum Ergebnis, wenn z.B. nach „Hifianlage“ statt nach einem konkreten Produkt gesucht wird. Grund dafür ist, das zentrale Kategoriebezeichnungen des eigenen Onlineshops nicht erkannt werden. Eine Suche bringt dann trotz hunderter passender Produkte keinen Treffer, da die Suchtechnologie in erster Linie auf Basis der Produktnamen und Artikelbeschreibungen sucht. Der User erhält durch die erfolglose Suche den Eindruck in diesem Shop nicht das zu finden, was er sucht, obwohl es vielleicht da ist.

Die Suche auf redcoon.de wurde offensichtlich nicht mit den Hauptkategorien des Shops trainiert.

Problem Nr.2: Es werden keine alternativer Suchbegriffe vorgeschlagen

Um den Nutzer bei der Suche zu unterstützen, hat sich die Darstellung alternativer Suchbegriffe bewährt. Er erhält zielführende Vorschläge auch wenn er den explizit richtigen Suchbegriff nicht kennt. Die Nennung alternativer Suchbegriffe hat zudem einige Vorteile: Die Vorschläge bergen Inspiration und Upselling-Potenzial. Bei der Eingabe von „Taschenrechner“ können so auch hochwertigere „Grafik-Taschenrechner“ vorgeschlagen werden, auf die viele User vorher nicht gekommen wären.

Amazon hat die optimale Gestaltung für Autosuggest-Menüs gefunden, die viele praktische Suchprobleme löst: einfach nur alternative Suchbegriffe vorschlagen

Problem Nr.3: Die Suche berücksichtigt keine Eingabe von Synonymen

Ein weiteres Problem ist ein mangelndes Verständnis von Synonymen, da die eingesetzte Suche kein semantisches Verständnis hat oder Artikel und Suchbegriffe nicht mit alternativen Synonymen getaggt sind. Daher werden dem User nur in einem Fall auch wirklich sinnvolle Ergebnisse angezeigt – wenn er den exakten Suchbegriff eingibt.

Problem Nr.4: Die Autosuggest-Menüs der Suche sind zu unübersichtlich

Autosuggest-Menüs sind verbreitet. Drei der vier getesteten Shops blendeten ein Autosuggest-Menü unterhalb des Suchschlitzes ein. Allerdings bot keines davon der Mehrzahl der Nutzer einen wirklichen Mehrwert. Sie waren zu komplex und unübersichtlich. Dabei wünschen sich die Nutzer vor allem eins: Eine schlichte Gestaltung des Autosuggest-Menüs wie sie es von Amazon und Google kennen.

Das komplexe Autosuggest-Menü von Conrad präsentiert direkt Produktvorschläge. Dem Nutzer ist dabei aber nicht klar, warum genau diese vorgeschlagen werden, da seine Preis- und Qualitätsanforderungen der Suche doch gar nicht bekannt sind.

Problem Nr.5: Tippfehler werden nicht berücksichtigt

Auch beim Umgang mit Tippfehlern tun sich viele Shop-Suchfunktionen noch schwer. Im Test produzierten drei Shops irrelevante Ergebnisse, sobald ein Tippfehler im Suchbegriff steckte. Allein Redcoon lieferte bei der Eingabe von „Noetbook“ die gleichen Ergebnisse wie beim korrekten Suchbegriff. Wie der richtige Umgang mit Tippfehlern aussieht zeigt uns Amazon: Im aufklappenden Auto-Suggest-Menü wird direkt während der Eingabe der korrekte Suchbegriff vorgeschlagen. Um dem User die Möglichkeit zu geben, den Tippfehler eigenständig zu erkennen, ist es ratsam das Suchwort im Suchschlitz der Ergebnisseite stehen zu lassen.

Das Autosuggest-Menü von Amazon liefert auch die ideale Lösung zur schnellen Korrektur von Tippfehlern

 

Was müssen Sie tun, um Ihren Besuchern eine erfolgreiche Suche anzubieten?

  1. Trainieren Sie Ihre Suche mit den zentralen Shop-Kategorien
  2. Taggen Sie Artikel und Suchbegriffe mit Synonymen
  3. Schlagen Sie alternative Suchbegriffe vor
  4. Halten Sie das Autosuggest-Menü klein und übersichtlich
  5. Berücksichtigen Sie Tippgehler und geben Sie dafür Korrektur-Vorschläge

 

Nicht nur die Suchfunktion ist bei der Onlineshop-Optimierung wichtig: Tipps, wie Sie Ihren Onlineshop optimieren

Konkrete Optimierungsempfehlungen für Ihre Shop-Suche erhalten

Gerne testen wir Ihre Suchfunktion und überprüfen diese auf Herz und Nieren. Unsere Experten erarbeiten konkrete Optimierungsvorschläge, wie Sie Ihre Shopsuche den Nutzererwartungen anpassen. Ihre Produkte werden so überhaupt und schneller gefunden, Ihre Kundenzufriedenheit und damit Conversionrates und Umsätze gesteigert.

Kontaktieren Sie uns einfach!

Benjamin Uebel – Geschäftsführer
Tel: 030 544 870 24
Email: info@userlutions.com
www.userlutions.com