Nutzerfreundlichkeit vs. Conversion-Optimierung: Booking.com im Usability-Check

Nutzerfreundlichkeit vs. Conversion-Optimierung: Booking.com im Usability-Check

Mareike Mechler | Mai 18, 2018 | User-Experience-Tipps

Konversion steigern, aber das Nutzerlebnis gleichzeitig maximal positiv gestalten: Nicht immer einfach. Anhand des Reisebuchungs-Riesen booking.com erklären wir, wo Business- und Nutzeranforderungen aufeinandertreffen und wie sie zusammenfinden können.

 

Wer verkauft, hat Recht.

… oder?

 

Die Definition des Trade-Offs zwischen guter Usability und hohen Konversionsraten führt auch innerhalb des Userlutions-Teams immer wieder zu regen Diskussionen. Der Auslöser: die Reisebuchungsseite booking.com.

Ein Blick und ein paar Klicks auf der Seite und schnell hören wir uns Begriffe nutzen wie „schlechte User Experience“, die wir im häufigen Einsatz aggressiver Persuasivtechniken auf den Angebotsseiten begründet sehen. UX-Plädoyer um jeden Preis, weil Usability-Expertise unsere Profession ist? Weit gefehlt, denn auch in unseren Reihen finden sich Fürsprecher der konversionsstarken Seite, die nicht umsonst Marktführer für Hotelbuchungen ist.

Was ist nun aber empfehlenswert? Was stellt sowohl den Nutzer als auch den Unternehmer zufrieden?

Usability-Tests ergeben gemischtes Stimmungsbild

Um die Diskussion über Usability und Conversion-Optimierung fachlich fundiert, statt subjektiv geladen führen zu können, haben wir die mobile sowie die Desktop-Seite des Reise-Bookers einem User-Test unterzogen. Unsere UX-Spezialisten haben die gewonnenen Nutzerstimmungen analysiert und in folgende Kategorien geclustert:

 

Interface-Erscheinungsbild:

  • die Seite verfügt über viele hochwertige und aussagekräftige Bilder, Kundenbewertungen auf den ersten Blick und ein farbenfrohes Design
  •  mehrere Schriftarten und –größen sorgen subjektiv für Überladenheit, viele Informationen werden auf einmal präsentiert („Echt ein wenig erschlagend, muss ich sagen!“ – RapidUsertester, 20 Jahre) , eine unübersichtliche Organisation der Fakten erschwert Angebotsvergleiche

Psychisches Erlebnis:

  • Persuasivtechniken wie suggerierter Zeitdruck („Tolles Schnäppchen heute) oder Knappheit („Nur noch 1 Zimmer auf unserer Seite verfügbar“) bewirken bei manchen Nutzern den Ehrgeiz, das Angebot rechtzeitig zu ergattern.
  • häufige Verwendung derselben Techniken sorgt dafür, dass sich Nutzer manipuliert fühlen und mit Abwehrreaktionen reagieren („Das sind doch alles Dinge, die mich gar nicht interessieren!“ – RapidUsertester, 20 Jahre)

Weitere Stärken:

  • Navigation der Seite fasst die Angebote gut zusammen
  • Rezensionen geben Gefühl von Sicherheit
  • initiale Buchungsmaske wird als positiv und intuitiv bewertet und ermöglicht sofortigen Einstieg in das Sucherlebnis
  • Checkout inklusive Registrierung durch voreingegebene Daten unkompliziert
  • Mouse-Over-Effekte erklären Icons oder Kriterien und tragen zu verbesserter Navigation bei (Desktop-Tests)

Weitere Kritikpunkte:

  • Filtermöglichkeiten wirken überladen (insbes. mobil) und Kriterien werden als willkürlich und unvollständig wahrgenommen (z. B. kann nach „Privater Strand“, aber nicht nach nah gelegenen „Einkaufsmöglichkeiten“ gefiltert werden)
  • einige Suchmöglichkeiten bleiben teils gänzlich unentdeckt (integrierte Google Maps-Suche mit Ergebnisanzeige)
  • bei Eingabe der Suchbegriffe in die Buchungsmaske „versorgt“ (tatsächlich: verwirrt) diese teils live mit Vorschlägen konkreter Hotels, die dem Suchenden unbekannt sind
  • Angaben wie „Gerade verpasst. Unser letztes Zimmer wurde heute ausgebucht.“ evozieren Gefühle wie Enttäuschung und Frustration
  • Live-Aktualisierung der Filter verhindert reibungslose Orientierung auf der Seite:

Live-Aktualisierung der Filter: Was unsere RapidUsertesterin (28) sagt: „Ich find es nicht so toll, dass da immer gleich der Suchlauf losgeht, aber gut…“

 

Zusätzlich konnten wir in unserem Desktop-Test einen kritischen Conversion-Knackpunkt identifizieren: Nutzer, die im Checkout das Pop-Up-Fenster „Diese Unterkunft wurde gebucht: Gerade eben!“ sehen, interpretieren diese Meldung fehl: Sie glauben die Unterkunft sei ausgebucht und brechen den Vorgang ab.

 

Abb.: Conversion-Knackpunkt: Tester brechen den Buchungsvorgang nach dieser Meldung ab

 

Und trotzdem: Als marktführender Reise-Booker scheint sich die Conversion-Rate von booking.com auf einem beachtlich hohem Level zu halten. Aber wieso?

Finding the sweet spot

Stellen wir uns Usability und die Conversion-Rate einmal als Vier-Felder-Tafel vor: Der Quadrant links unten (3) vereint hierbei den Negativpol beider Konstrukte, das Feld rechts oben (1) repräsentiert einen User, der aufgrund seines positiven Nutzererlebens zum Kunden wird – und gern wiederkommt:

Abb.: Vier-Felder-Tafel: Das Zusammenspiel von Usability und Conversion-Rate

 

Und obwohl wir als UX-Agentur den Nutzer und sein Erleben jeden Tag in den Fokus unserer Arbeit rücken, kennen wir auch die wirtschaftlichen Herausforderungen eines Unternehmens. Unsere Auswertung und Beratung fokussiert sich demnach nicht starr auf den High-Usability-Quadranten (2), in dem eine integrierte Kündigungsmöglichkeit während des Registrierungsvorgangs eine typische Konzeptionsempfehlung sein könnte.

Wir wissen, dass Nutzer- und Businessanforderungen ständig gegeneinander abgewogen, sowie mögliche Gestaltungsvarianten A/B-getestet werden müssen.

Booking.com scheint diese zwei Interessen erfolgreich auszutarieren, indem sie zwar viele Maßnahmen zur Conversion-Rate-Steigerung einsetzen, aber an verschiedensten Stellen auch die Kundenzufriedenheit messen und so das Ausmaß an eingesetzten Persuasivtechniken maximal ausreizen können. Einfache, vom Kunden ausgefüllte Smiley-Skalen – oder, ganz klassisch, der NPS – liefern regelmäßiges Feedback zur Zufriedenheit und schützen davor, in den rechten unteren Quadranten (Manipulation) zu rutschen.

Ableitungen für dein Trade-Off-Dilemma

Rufen wir uns noch einmal Unterschiede und Gemeinsamkeiten ins Gedächtnis: Während es das geteilte Ziel von Usability und Conversion-Optimierung ist, Besucher zu Kunden zu machen, bedienen sie sich doch unterschiedlicher Strategien.

Optimierte Usability  erhöht die Geschwindigkeit und subjektive Qualität des Nutzererlebnisses, indem Verhaltenstendenzen vorhergesagt werden (Kundenanforderungen). Angenehme Erfahrungen führen zu erhöhter Autorität sowie Kundenbindung, wodurch Markenbildung  und kompetetive Aufstellung positiv beeinflusst werden.

Conversion-Optimierung zielt darauf ab, Nutzerverhalten so zu beeinflussen, dass möglichst jeder Besucher zum Kunden konvertiert (Businessanforderungen). Sie liefern hier also die richtige Lösung für ein bestehendes Zielgruppenproblem – und zwar zur richtigen Zeit.

 

Experten-Tipp:

Definieren Sie sowohl Ihren individuellen IST-Zustand als auch Ihre Prioritäten und tasten Sie sich so an das Ausbalancieren der Kunden- und Businessanforderungen.

 

Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Entscheidungen – oder lassen Sie sich durch geschulte Fachkräfte beraten. UX-Spezialisten sind in der Lage, verschiedenste Faktoren in Ihre Lösungsgleichung einfließen zu lassen. Potentiale und Risiken können beispielsweise in Abhängigkeit der Bekanntheit eines Unternehmens eingeschätzt werden:

  • Kleine Unternehmen können mit hohen Konversionsraten zunächst einen gewissen Umsatz generieren.
  • Die (teilweise) Missachtung von Usability-Prinzipien kann sich jedoch negativ auf die Markenbildung auswirken.

Darüber hinaus können spezialisierte Usability-Berater Einblick darüber geben, wie der Nutzer-Funnel aussieht und an welcher Stelle was (UX vs. CR) aufgrund welcher menschlicher Verhaltenstendenzen wichtiger ist:

  • Ist die Usability zu Beginn des Booking-Vorgangs gut, kann es trotz späterer schlechterer UX oder aufdringlichen Persuasivtechniken zur Konversion kommen. Warum? Der Mensch unterliegt seiner natürlichen Tendenz zur Vervollständigung unfertiger Handlungen (engl.: completion tendency). 

Die Infos im Überblick:

Was bei der Abwägung von Usability und Conversion-Optimierung zu beachten ist

  • Definiere sowohl deine Ziele als auch Prioritäten. Ruf dir dabei sowohl Markenwerte als auch Kommunikationsprinzipien ins Gedächtnis.
  • Setze sämtliche Business- und Nutzeranforderungen ins Verhältnis und teste deine Lösungsansätze iterativ, um dem Sweet Spot näher zu kommen. Unterscheide hierbei zwischen Neu- und Bestandskunden-Konversion: Während gute Usability tendenziell die Kundenbindung und damit die Bestandskunden-Konversion erhöht, verhilft Conversion-Optimierung eher kurzfristig dazu, einen Nutzer A zu einem bestimmten Zeitpunkt x in einer bestimmten Situation y in einen Kunden zu verwandeln.
  • Für das tatsächliche Erlebnis des Nutzers ist beides wichtig: Sowohl Usability- als auch Conversion-Optimierungs-Techniken. Erfolgsfaktoren individueller Lösungen sind jedoch noch andere, wie z. B. die Bekanntheit des Unternehmens: booking.com z. B. gilt allgemein als großes und vor allem weitläufig bekanntes Portal.
  • Die bestmögliche Balance (denn: die perfekte gibt es nicht) zeichnet sich durch den Einbezug etwaiger Faktoren sowie eine positive Kosten-Nutzen-Gleichung deiner Umsetzungen aus. Bei Bedarf sollten professionelle Beratungsangebote in Anspruch genommen werden, um keine Einflussfaktoren ungeachtet zu lassen.

 

Du möchtest persönliche Erfahrungen mit dem Reise-Booker mit uns teilen oder hast Fragen zum Artikel? Hinterlasse uns dein Anliegen gern als Kommentar! 

Top-Beiträge 2016 im RapidUsertests-Blog

Top-Beiträge 2016 im RapidUsertests-Blog

Henriette Zarske | Jan 18, 2017 | Wir über uns

UX und Usability-Insights sind gefragt. Grund genug zu schauen, welche unserer Blog-Artikel aus 2016 am meisten gelesen wurden. Fünf Beiträge mit vielen Praxistipps zur Conversion-Rate-Optimierung sowie Produktentwicklung!

1. Experten-Interview: Erkenntnisse aus Usability-Tests, Unternehmensbrillen & Bootstrapping

In diesem Interview sprechen Birgit Bärnreuther und Benjamin Uebel, die Gründer von RapidUsertests & Userlutions, anlässlich des 5-jährigen Firmen-Jubiläums über ihre Erfahrungen, die Gründungsidee, das zunehmende Interesse an Usability und User-Centered-Design und die Vorteile der Selbstfinanzierung (Bootstrapping).

2. Schadet die AGB-Checkbox der Usability?

Obwohl viele Online-Shops eine Checkbox zur Bestätigung der AGBs verwenden, ist diese nicht verpflichtend. Ein klarer, unmissverständlicher und verlinkter Hinweis auf die AGBs ist per Gesetz ausreichend. Sollte man die AGB-Checkbox nun also verwenden oder nicht? In diesem Artikel werden Vor- und Nachteile der AGB-Checkbox aus Usability-Sicht diskutiert. Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte…

3. 15 Best-Practices für Usability-Tests mit Prototypen, die Sie kennen sollten

Der frühe Vogel fängt den Wurm – auch im Zusammenhang mit Usability-Tests kann dieses Sprichwort verwendet werden. Erfahren Sie in diesem Beitrag wie Sie einen Usability-Test mit einem Prototypen vorbereiten, welche Rolle Verlinkungen spielen und wie Sie den Nutzer bzw. Tester instruieren sollten. Sie erfahren außerdem welche Besonderheiten bei Prototypen von mobilen Websites/Apps, Wireframes und klickbaren PDFs zu beachten sind.

4. Wie Sie mit Crowd-Usability-Tests die Langzeitnutzung Ihres Produkts besser verstehen

Apps und andere Programme, die den Alltag erleichtern sollen, werden immer beliebter: Besonders zu Themen wie Kochen, Sport, Auto oder Gesundheit. Bei vielen von ihnen zeigen sich die Usability-Probleme jedoch erst bei der kontinuierlichen Verwendung im Alltag. In unserem Beitrag zeigen wir wie Crowd-Usability-Tests auch für Langzeitstudien verwendet werden können und welche Vorteile sie gegenüber Tagebuchstudien aufweisen.

5. Wie Ihr Zielgruppenwissen Ihre Conversionrate beeinflusst

Auch wenn die Zielgruppendefinition ist nicht immer einfach ist: Für die richtige Zielgruppe zu entwickeln, sowie seine Hypothesen durch diese bestätigen zu lassen, ist essenziell. Wie Sie mit der richtigen Zielgruppen-Ansprache die Conversion steigern und welche Zielgruppeninformationen Sie für einen Usability-Test benötigen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Wie Ihr Zielgruppenwissen Ihre Conversionrate beeinflusst

Wie Ihr Zielgruppenwissen Ihre Conversionrate beeinflusst

Christian Kleemann | Feb 25, 2016 | User-Experience-Tipps

In den letzten Jahren haben unsere UX-Berater tausende Usability-Tests erstellt, analysiert und dabei folgendes festgestellt: Wenn wir mit unseren Kunden die Tests entwickeln, hören wir bei der Frage nach der Zielgruppe oft die Antwort: “Eigentlich jeder.”

Warum jeder nicht gleich jeder ist, wie unterschiedliche Zielgruppen die Conversion beeinflusst und welche Zielgruppeninformationen Sie für einen aussagekräftigen Usability-Test benötigen, haben wir im Team besprochen und ein paar Unterschiede zum besseren Verständnis zusammengetragen.

Männer vs. Frauen

Eine nie endenwollende Geschichte und immer spannend – mit Usability-Videos schauen wir genauer hin. Wie shoppen die Geschlechter im Vergleich und worauf legen sie besonderen Wert beim Einkauf? Hier 3 Beispiele aus unseren Usability-Tests:

  1. Männer achten bei Notebooks auf Megahertz und RAM – Frauen mehr auf Aussehen, Preis und Gewicht. Generell haben die Männer, was das Verständnis betrifft, die Nase bei technischen Käufen vorn, dafür die Frauen bei Kleidung.
  2. Männer wollen eindeutige Produktabbildungen und Abmessungen – Frauen tendieren zu hübschen Aufnahmen in ansprechender Kulisse.
  3. Frauen sind Preis-sensibler als Männer und sprechen auf Schlussverkäufe eher an.

Natürlich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel, jedoch erkennen wir in unseren Analysen klare Tendenzen, was Frauen und Männer beim Onlineshopping bevorzugen. Einfachste Personalisierung im Onlineshop kann die Conversion Rate erhöhen und sorgt für bessere Kundenzufriedenheit.

PayPal vs. Lastschriftverfahren

Auch Usability-Tests mit deutschen Nutzern zeigen: Tester lieben PayPal. Es ist einfach, sicher und schnell. Innerhalb zahlreicher Analysen bevorzugten unsere Tester am liebsten PayPal, Überweisung und die gute alte Rechnung.

Die Begründung: Bei diesen Zahlungsarten liegt die gefühlte Kontrolle der Bezahlung mehr in den Händen Ihrer Käufer. Bei der Lastschrift wird diese Kontrolle einem “Unbekannten”, nämlich an den Empfänger abgegeben. Typischer Fall von Kontrollverlust würde Freud wohl sagen. Wir nennen es Sicherheit beim Bezahlvorgang.

Zum Vergleich: Bei amerikanischen Analysen sah das ganz anders aus, hier ist die Kreditkarte das beliebteste Zahlungsmittel. Abhängig von Region, Produkt und Anbieter werden also verschiedene Zahlmethoden bevorzugt.

Die „richtigen“ Zahlungsarten im Onlineshop anzubieten, wirkt sich daher nachhaltig auf die Conversion aus.

Alt vs. Jung

Jeder der schon mal früh um 8 Uhr beim Shoppingcenter seines Vertrauens war, wird bestätigen, dass die Verteilung zwischen Jung und Alt auffällig ist. Auch innerhalb der Customer Journey im Onlineshop gibt es zahlreiche Unterschiede, insbesondere online.

Immer wieder erleben wir ansprechend gestaltete Websites mit schwer verständlichen Informationsstrukturen. Häufig werden Websites am zukünftigen Besucher vorbeigestaltet und Agenturen, Produktmanager sowie Entwickler tun sich schwer einen Spagat, zwischen guter Informationsstruktur und Design, zu finden.

Hier 3 Beispiele:

  1. Ältere User erkennen das Hamburger-Icon nicht als Menu-Button. Abhängig von Internet-Affinität und Alter kann dieses Symbol schnell im Verständnisbereich Ihrer Nutzer untergehen.
  2. Ältere Internetnutzer lesen mehr als junge. Junge Nutzer scannen Inhalte oberflächlich und steigen nur tiefer ein, wenn sie beim Überfliegen einen Mehrwert erkennen.
  3. Ältere sind auf Informationen aus und lesen öfters Texte, um Hintergrundinformationen zu erhalten. Auch kommt es schon mal vor, dass unsere älteren Tester die AGB’s abfotografieren, wenn Sie diese nicht ausdrucken können.

Welche Informationen Sie vor einem Usability-Test über Ihre Zielgruppe benötigen

Für valide Ergebnisse im Usability-Test ist es wichtig, dass Ihre Zielgruppe die Seite untersucht. Wie wir beschrieben haben, ist jeder eben nicht gleich jeder. Zielgruppenverhalten im Internet kann daher nicht pauschalisiert werden. So grenzen Sie Ihre Zielguppe vor einem Usability-Test richtig ein:

  1. Definieren Sie Minimal-und Maximalanforderungen Ihrer Zielgruppe für einen Test
  2. Legen Sie eine Altersstruktur fest
  3. Analysieren Sie die Geschlechterverteilung Ihrer Besucher
  4. Legen Sie bestimmte Affinitäten fest (online, technisch etc.)
  5. Definieren Sie Interessengebiete Ihrer Nutzer

So setzen Sie Usability-Tests für die Optimierung Ihres Onlineshops ein.

Fazit

Zielgruppen verhalten sich vor allem im Internet unterschiedlich. Affinität, Kenntnisstand oder bestimmte Präferenzen wirken sich nachhaltig auf Ihre Conversion aus.

Umfragen und Usability-Tests helfen, das eigene Verständnis zu schärfen und Webentwicklungen auf die Bedürfnisse der Käufergruppen abzustimmen. Für die richtige Zielgruppe zu entwicklen, sowie seine Hypothesen durch diese bestätigen zu lassen, ist essenziell.

3 Tipps für besser konvertierende Call-To-Actions im Checkout

3 Tipps für besser konvertierende Call-To-Actions im Checkout

Christian Kleemann | Feb 4, 2015 | RapidUsertests-Studien

Der Online-Einkauf ist immer nur einen Klick entfernt. Dabei hängt der Kaufabschluss im Checkout-Prozess neben einem leichten Informationstransfer auch von der Button-Bezeichnung ab. In unseren Nutzeranalysen sehen wir immer wieder, worauf es bei der Benennung von Call-To-Actions (CTA) ankommt und wie die klassischen Fehler aussehen.

Schlechte Call-To-Actions führen zu Kaufabbrüchen

Um Nutzer durch den Kaufprozess zu führen, erfreut sich die Button-Bezeichnung “Weiter” großer Beliebtheit. “Weiter”, wenn man den Warenkorb verlässt, “Weiter”, um Adressdaten einzugeben, ein Klick auf “Weiter”, um zur Bestellübersicht zu gelangen. Unterschiedliche Aktionen, die durch einen ständig gleich lautenden Call-To-Action benannt werden und wichtige Informationen vermissen lassen.

In unseren Nutzeranalysen beobachten wir jedoch häufig eine anderes Bedürfnis seitens unserer Tester. Eine schlecht gewählte und uneindeutige Beschriftung der Call-To-Actions führte zu vermehrtem Unwohlsein beim Kaufen des Produktes. Die erste Hürde trat bereits im Warenkorb auf. Eine eher abschreckende Farbe (rot) des Buttons “Hinzufügen” sorgte für Misstrauen bei den Usern. Durch die Farbwahl fühlten sich die Nutzer schon beim Hinzufügen unter Druck gesetzt.

Da die Buttons die durchzuführende Handlung nicht klar wiedergaben, entstand im Checkout vermehrt Verwirrung. Den Nutzern war nicht klar, wohin der Klick des Buttons führt. Anschließend sahen sich die Webseitenbesucher mit einem unerwarteten Kaufabschluss konfrontiert.

Schlechte Call-To-Actions führen bei Nutzern zu:

  • Misstrauen im Warenkorb
  • Verwirrung im Checkout-Prozess, da nächste Schritte nicht kommuniziert werden
  • Unsicherheit im Kaufabschluss (Habe ich alles richtig gemacht?)
  • Abbruch der Bestellung
  • Nachträglicher Stornierung, da der Kauf zu überraschend war

Zulässige Call-To-Actions im eCommerce

Abb.1: Erlaubte und unzulässige Bezeichnung des Kaufen-Buttons im Warenkorb für eCommerce-Betreiber


Spätestens seit die Button-Lösung für Onlineshops in Kraft getreten ist gibt es eindeutige Richtlinien, wie eCommerce-Betreiber den finalen CTA im Checkout zu benennen haben. Wir haben noch 3 weitere Tipps für eCommerce-Betreiber.

1. Richtige Button-Benennung im Checkout aus Usability-Sicht

Sagen Sie Ihren Nutzern, was durch die Interaktion mit dem Button passieren wird!

Häufig sind es ältere und nicht shopping-affine User, die einzelne Schritte im Checkout nicht bemerken oder kennen. Zeitgleich sind sie sich über Abläufe unsicher und wollen mehr Informationen darüber, was beim Klicken passieren wird. Grundsätzlich sind Internetuser eher bereit eine Handlung durchzuführen, wenn klar ist was passieren wird.

Verfügt der Shop über einen mehrstufigen Checkout-Prozess (Adresseingabe, Versand & Zahlungsart, Bestellübersicht, Abschluss) empfehlen wir statt “Weiter”, die Beschriftung mit dem Zusatz des nächsten Schrittes zu ergänzen, z.B. Weiter zur Adresseingabe.

Beispiele für eindeutige Call-To-Actions Bezeichnungen im Checkout:

  • In den Warenkorb legen
  • Artikel zum Warenkorb hinzufügen
  • Weiter zu den Zahlungsdetails
  • Weiter zu den Versandoptionen
  • Weiter zur Bestellübersicht

2. Die richtige Farbwahl für Call-To-Actions

Auch die Farbe des Call-To-Actions ist wichtig. In einer unserer letzten Untersuchung des Onlineshops www.soxego.de gaben die Nutzer die abschreckende Wirkung des Buttons im Warenkorb mehrfach an. Die Farbe rot erzeugte bei den Testern vermehrt Misstrauen und Unwohlsein.

Nach der Farbänderung (grün) und Auswertung der neuen Daten, verzeichnete soxego 60% weniger Kaufabbrüche im Warenkorb.

Call-To-Action Usability im eCommerce

Abb.2: Links: Der CTA im Warenkorb von soxego schreckte die Tester wegen Farbgebung und Wording ab und steigerte das Misstrauen. Rechts: neuer CTA in der Farbe grün führte zu 60% weniger Abbrüchen im Warenkorb.

3. Den richtigen Call-To-Action für Ihre Zielgruppe finden

Egal, ob es um eine eindeutige Benennung oder die Wahl der richtigen Farbe geht. Onlineshops müssen immer Zielgruppe, Dienstleistung und Produkt im Fokus behalten. Man kann die richtige Farbe der Call-To-Actions nie pauschal beurteilen. Führt die Farbe rot bei einem Shop zu abschreckender Wirkung, gibt es durchaus Beispiele wo dies funktioniert (z.B. otto.de).

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Abb.3: Roter CTA auf otto.de. Die Farbwahl passt zu den Farben des Unternehmens. Der erhöhte Bekanntheitsgrad trägt zudem zum Vertrauen bei und schreckt Nutzer an dieser Stelle nicht ab.


Auch die ausreichende Benennung sollte immer zusammen mit der Fokusgruppe untersucht werden. Durch Nutzertests erhalten Shopbetreiber wertvolle Erkenntnisse, wie bestimmte Bezeichnungen und Aufmachungen bei den eigenen Usern ankommen.

Mehr Tipps für das Optimieren von Onlineshops

Tipps für bessere Testergebnisse II: Selbst auswerten vs. auswerten lassen

Tipps für bessere Testergebnisse II: Selbst auswerten vs. auswerten lassen

Antje Lasner | Sep 11, 2014 | User-Experience-Tipps

Immer wieder werden wir gefragt, was der Vorteil einer Expertenauswertung für unsere RapidUsertests ist. Wir zeigen Ihnen die Vor- und Nachteile der eigenen Auswertung vs. der Expertenauswertung. So können Sie selbst entscheiden, was für Ihr Optimierungsprojekt das richtige ist.

Vorteile der eigenen Analyse

Es scheint nur logisch – Sie haben den RapidUsertest erstellt und daher werten Sie ihn auch aus. Sie kennen Ihre Seite am besten und wissen wo Absprungraten und Verweildauer die Conversionrate beeinflussen. Beim Auswerten können Sie daher gezielt auf Hinweise dafür achten. Doch auch andere Punkte sprechen dafür, dass Sie sich die Testervideos einmal anschauen:

  • Sie sehen die Probleme mit eigenen Augen
    Der berühmte Aha-Effekt: Es macht wirklich einen Unterschied, ob Sie erzählt bekommen, wo Probleme auf Ihrer Seite liegen oder selbst einen potenziellen Kunden dabei beobachten wie er auch diese Schwachstelle stößt. Potenzielle Conversionkiller werden Ihnen dabei ungefiltert vor Augen geführt.
  • Sie lernen Ihre Kunden besser kennen
    Sie denken Sie kennen Ihren Kunden: Sie wissen was er kauft, wann er kauft, vielleicht sogar warum er kauft und woher er kommt. Bei einem RapidUsertests schauen Sie Ihrer Zielgruppe jedoch direkt über die Schulter. Sie erfahren, was Ihren Nutzern wichtig ist, was sie anspricht und welche Überlegungen sie während des Webseitenbesuchs tätigen.

Nachteile der eigenen Auswertung

Warum sollten Sie die Testvideos also nicht einfach selber auswerten?

  • Die Auswertung kostet viel Zeit
    Bei mehreren Ergebnisvideos von Nutzern kommt man schnell auf viele aufgezeichnete Teststunden. Der Arbeitsaufwand diese auszuwerten ist dabei groß und wird oft unterschätzt.
  • Das Risiko, dass Sie die Ergebnisse falsch interpretieren
    Nicht jeder ist Experte auf dem Gebiet Usability. Worauf ist bei der Auswertung eigentlich genau zu achten? Was der Tester sagt oder was er auf der Seite tut? Dabei die Ergebnisse richtig zu interpretieren ist nicht immer einfach und Fehler schleichen sich ein.

Sechs Gründe für eine Experten-Auswertung

1.  Sie können sich einfach zurücklehnen
Wir nehmen Ihnen die Arbeit ab und diskutieren mit Ihnen zusammen anschließend die Ergebnisse.

2.  Wir interpretieren Ihre Testergebnisse
Unsere Experten ziehen für Sie die richtigen Schlussfolgerungen. Als studierte Psychologen und Kognitions-Wissenschaftler wissen wir worauf zu achten ist und wie die Ergebnisse interpretiert werden müssen.

 Einige unserer Kunden aus über 100 Analyse-Projekten

3.  Sie erhalten konkrete Optimierungsvorschläge
Ein RapidUsertest entlarvt im Schnitt über 60 Verständnis- und Usability-Probleme. Wir zeigen Ihnen welche Änderungen davon möglichst schnell umsetzbar sind und empfehlen Ihnen die Optimierungen mit der größten Wirksamkeit.

4.  Sie profitieren von einer neutralen Meinung
Als außenstehender Partner spiegeln wir eine neutrale Meinung wider ohne firmenpolitische Beeinflussung. Wir haben damit die Freiheit, auch unbeliebte Dinge anzusprechen und den Finger direkt in die Wunde zu legen.

5.  Kommunizieren Sie die Ergebnisse über ein verständliches Dokument
An der Optimierung einer Webseite sind meist mehrere Abteilungen beteiligt, die man schnell und unkompliziert in die Ergebnisse der Tests einweihen möchte. Sie erhalten von uns ein übersichtliches Dokument, illustriert mit vielen Screen-Shots, das Sie ohne Bedenken intern an andere Abteilungen weiterreichen oder auch zur Kommunikation an externe Dienstleister nutzen können.

6.  Sie haben einen kontinuierlichen Ansprechpartner bei Usability-Problemen
Nicht nur während des Tests informieren wir Sie kontinuierlich über den aktuellen Stand, auch darüber hinaus sind wir Ihr kontinuierlicher Ansprechpartner, um die Ergebnisse zu diskutieren und Usability-Fragen zu klären.

Interesse geweckt?

Probieren Sie uns und unseren Service doch einfach mal aus.

Buchen Sie die Experten-Auswertung beim Usability-Test erstellen ganz einfach dazu. Bestätigen Sie dazu einfach das Feld „Ich habe Interesse an einer zusätzlichen Experten-Auswertung“ und wir melden uns umgehend mit einem unverbindlichen Angebot bei Ihnen zurück.

 Ein unverbindliches Angebot zur Experten-Auswertung durch unsere Usability-Berater können Sie beim Test bestellen einfach anfordern.

Oder stellen Sie einfach eine Anfrage:
Tel: +49 (0)30 544 870 24
Mail: info@userlutions.com

Hier geht es zum ersten Teil unserer Tipps für bessere Testergebnisse (die richtige Stichprobengröße wählen).

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