Mobile First oder Context First? Wann Mobile First die falsche Strategie ist

Mobile First oder Context First? Wann Mobile First die falsche Strategie ist

Martin Schröter | Okt 14, 2016 | User-Experience-Tipps

Steht man vor der Frage nach der idealen digitalen Strategie, hört man in letzter Zeit immer wieder den Begriff „Mobile First“. So geht es auch unserem UX-Berater Martin Schröter, der hier seine Erfahrungen und vor allem seine Meinung zu diesem Vorgehen mit Ihnen teilen möchte. Wann ist „Mobile First“ der richtige Ansatz und wann sollte man seine Verwendung noch einmal überdenken?

Ich schreibe diesen Artikel, weil ich mit einigen Missverständnissen aufräumen möchte. Missverständnisse bezüglich eines Begriffs, der uns in der digitalen Branche in den letzten Jahren immer häufiger begegnet: „Mobile First“.

Folgende Situation hatte ich schon häufiger in Projekten: Nehmen wir an es geht um den Relaunch einer Website – Es steht die Frage im Raum, welche digitale Strategie dabei verfolgt werden soll. Von Kundenseite heißt es dann oft sofort: „Mobile First!“

Diese Aussage wird dann untermauert mit aktuellen Statistiken zum mobilen Traffic auf Webseiten: „Viele Websites verzeichnen inzwischen mehr Aufrufe von Smartphones als von Desktop-Computern.“ oder „Der Verkauf von Smartphones hat den Verkauf von Laptops weltweit eingeholt.“

Ja, wir alle kennen diese Statistiken. Aber was sagen sie uns?

Was bedeutet Mobile First und wie wird der Begriff verwendet?

Bevor ich zurück zu diesen Statistiken komme, möchte ich ganz kurz erklären, was Mobile First eigentlich bedeutet.

Beim Mobile First Ansatz wird eine neue Website zuerst für mobile Geräte konzipiert und designt, bevor sie für die Desktop-Anwendung erweitert wird. Grundsätzlich klingt das erstmal gar nicht schlecht – wenn es richtig eingesetzt wird.

Die Frage „Mobile First oder nicht?“ zielt meiner Meinung nach aber an der eigentlich entscheidenden Frage vorbei, nämlich „Wem dient mein Produkt in welcher Situation und welches Problem löst es?“

Mobile First? – Context First!

Die Statistiken zeigen uns, dass Mobile ein unglaublich wichtiger Markt ist, der keinesfalls missachtet werden sollte. Was sie allerdings nicht verraten: Ist Mobile tatsächlich das, was die Nutzer meines Produktes brauchen?

Zu Beginn der Entwicklung eines neuen Produktes oder vor einem Relaunch sollte man sich daher die Frage stellen: „Was will mein Kunde mit meinem Produkt erreichen?“

Um diese Frage zu beantworten muss ich drei Dinge über mein Produkt ganz genau verstehen:

  • Wer nutzt das Produkt?
  • In welcher Situation wird das Produkt genutzt?
  • Welche Ziele verfolgt mein Kunde, wenn er dieses Produkt nutzt?

Dabei helfen uns Use Cases, Personas und Szenarien. Denn erst wenn wir verstehen, warum Menschen aus meiner Zielgruppe mein Produkt in einer ganz bestimmten Situation nutzen, können wir uns die Frage stellen, wie wir das Produkt umsetzen.

Ein Beispiel: Stellen wir uns vor, die fiktive Firma UX-Print hat ein Tool entwickelt, das dazu dient, großformatige Collagen zu erstellen und Fotos für den Posterdruck zu bearbeiten. Dem Nutzer werden eine Reihe sinnvoller Werkzeuge an die Hand gegeben, mit denen sich selbst kleinste Details der Bilder überarbeiten lassen.

Auf den kleinen Smartphone Bildschirmen dürfte das ein schwieriges Unterfangen sein. Es gibt schlichtweg Produkte, die für kleine Bildschirme nicht geeignet sind. Hier wäre „Mobile First“ daher fehl am Platz.

Wann mobile First nicht die richtige Strategie ist

Die Strategie „Mobile First“ ist fehl am Platz, wenn das Produkt für den Einsatz auf mobilen Geräten nicht geeignet ist, wie bei der Bearbeitung großformatiger Fotos.

Ich empfehle Ihnen stattdessen: Gestalten Sie eine informative Landingpage, die für mobile Geräte optimiert ist. Dort erklären Sie das Produkt, geben nützliche Tipps und bieten  ein Registrierungsformular an, mit dem man sich in wenigen Sekunden anmelden kann, um das Produkt dann auf einem größeren Bildschirm zu nutzen. So sind Sie trotzdem auf mobilen Geräten präsent, ohne den Nutzern eine schlechte User Experience zuzumuten.

Wann Mobile First die richtige Strategie ist

Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass Ihre Nutzer das Produkt auf mobilen Geräten verwenden möchten und können?  Super! In diesem Fall ist die logische Frage tatsächlich: Wie kann ich mein Produkt auf dem kleinstmöglichsten Gerät mit dem größtmöglichen Nutzen darstellen und somit die beste User Experience bieten.

Aber auch hier gilt: Fragen Sie Ihre Nutzer. Finden Sie heraus, wie Ihr Produkt auf welchem Gerät genutzt wird und in welcher Situation. Denn auf dem Smartphone können ganz andere Funktionen sinnvoll sein als auf einem Desktop-Computer. Und unterwegs nutzen wir mobile Geräte anders als zu Hause.

Denn: Mobile First ist Mittel zum Zweck, nie aber der Zweck selbst.

Ein Beispiel: Die wenigstens Menschen werden die Download-Funktion in einem App-Store nutzen, wenn sie unterwegs nach neuen Apps stöbern. Schon gar nicht, wenn die jeweilige App mehrere MB groß ist und die Gefahr besteht, mobile Daten aufzufressen. In dieser Situation wäre eine „Speichern“-Funktion für die Nutzer viel interessanter. Oder eine Erinnerungsfunktion. Oder eine Funktion, die den Download automatisch startet, sobald man sich im heimischen WLAN befindet. Oder … Ihnen fallen sicherlich noch andere sinnvolle Funktionen ein.

Wann Mobile First die richtige Strategie ist

„Mobile First“ ist die richtige Strategie, wenn das Produkt häufig auf mobilen Geräten eingesetzt wird, zum Beispiel weil die Nutzer es unterwegs verwenden.

Fazit – Auswirkungen auf die Produktentwicklung

Was heißt das nun für die Produktentwicklung? Wir müssen weg von Trendbegriffen und hin zu den Menschen, für die wir Produkte entwickeln. Die Fragen, die wir stellen müssen: Für wen baue ich das Produkt? In welchen Situationen wird mein Produkt genutzt? Und vor allem: Welches Problem löst mein Produkt?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, lohnen sich User Research Methoden, aus denen gezielt Use Cases, Personas und Szenarien abgeleitet werden und den langfristigen Erfolg eines Produktes sicherstellen. Was Personas sind, erklären wir auf unserem Agentur-Blog.

Stimmen Sie mir zu oder sind Sie vielleicht völlig anderer Meinung? Dann schreiben Sie gerne einen Kommentar, was Sie von dem Mobile-First-Ansatz halten!

Amazon.de im Test: RapidUsertests deckt Mängel in der Usability auf

Amazon.de im Test: RapidUsertests deckt Mängel in der Usability auf

Userlutions Team | Mai 15, 2012 | RapidUsertests-Studien

In einer aktuellen Nutzerstudie mit 145 Testnutzern konnten wir mit Remote-Usertests Mängel in der Usability des weltweit größten Internetshops Amazon feststellen. Man muss zugeben: die Nutzer wurden meist vorbildlich bei ihrem Einkaufserlebnis unterstützt. Dennoch vermissten ca. 70 % der Test-Einkäufer eine übersichtliche Sortierfunktion. Unsere Studie unterstreicht damit die Wirksamkeit von Online-Usability-Tests.

Usability-Probleme bei 70% der Test-Nutzer

Für die Online-Usability-Studie schickten wir Neu- und Bestandskunden auf Erkundungstour. Das Ergebnis: 99 von 145 Testern hatten Schwierigkeiten, die Suchergebnisse entsprechend ihrer Anforderungen zu sortieren oder zu filtern. Nutzer, die z.B. bei Amazon.de nach dem Begriff „Teekanne“ suchten, erhielten eine Ergebnisliste von ca. 6.570 Treffern – eine erschlagende Auswahl. Häufig suchten Tester daraufhin nach Sortier- oder Filtermöglichkeiten. Beides wurde nur sehr schwer oder gar nicht gefunden. Die Kategorisierung stellte ein weiteres Problemfeld hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit dar: Mit 12 Hauptkategorien und 81 Unterkategorien empfanden viele Nutzer diese Auswahlmöglichkeiten als zu vielfältig. Kein einziger Testnutzer war in der Lage, das gesuchte Produkt durch die Eingrenzung über Kategorien zu finden.
Die zentralen Erkenntnisse der Studie wurden in einer Video-Zusammenfassung aufbereitet. Hier werden die konkret aufgetretenen Usability-Hürden der Nutzer beim Surfen auf Amazon.de gezeigt, sowie die ausgesprochenen Verbesserungsvorschläge der User. Link: http://bit.ly/ITOLxW.

Amazon macht vieles richtig

Die Kategorisierung von Amazon.de bot laut der Tester einen guten Einstieg. Allerdings nutze die absolute Mehrheit der Kunden letztlich die Suchleiste zur Navigation in dem E-Commerce-Shop. Die optimal auf der Webseite platzierte Suchleiste  fand bei den Testern nur positiven Anklang: Fehler wurden automatisch korrigiert, Nutzer konnten mehrere Suchbegriffe eingeben und es wurden umfangreiche Ergebnislisten ausgegeben.

RapidUsertests deckt zielgerichtet Probleme auf

Die Studie offenbart, wie wirksam Online-Usability-Tests selbst von ‚gestandenen‘ Internetanbietern sein können.

Update (16.05.2012): 
Inzwischen hat der E-Commerce-Riese – unabhängig von den Befunden unserer Studie – Sortier- und Filterfunktionen in die Suche integriert. Es ist jedoch bemerkenswert, dass sich die Ergebnisse unseres Tests mit den von Amazon als wichtig erachteten Anforderungen an eine verbesserte Nutzerfreundlichkeit decken.

Nun zu euch – konntet ihr anhand des Videos potenzielle Usability-Hürden auf eurer Seite ausmachen? Was denkt ihr über die ’neue‘ Sortierfunktion?

“Do’s & Dont’s guter Web-Usability“

“Do’s & Dont’s guter Web-Usability“

Userlutions Team | Mrz 12, 2012 | Wir über uns

RapidUsertests: Vortrag auf dem Startup Camp Berlin (16. – 17.03.12)

Dieses Jahr freue ich mich besonders auf das Startup Camp in Berlin am kommenden Wochenende. Denn dieses Jahr darf ich einen Vortrag zum Thema „Do’s and Dont’s für eine gute Web-Usability im Startup“ halten.

Ohne schon zu viel vorwegnehmen zu wollen: Ihr werdet Einsichten bekommen, was Erfolgsfaktoren im Startup sind, um eine hohe Usability zu erreichen, welches häufige Fehler in der Praxis sind, und welche Tools und Methoden sich etabliert haben.

Zugleich freue ich mich auf viele weitere spannende Speaker und ein nettes Get-Together der Berliner Startup-Szene.

Usability unterstützt das Online-Marketing

Usability unterstützt das Online-Marketing

Userlutions Team | Okt 6, 2011 | User-Experience-Tipps

Auch Online-Marketing-Budgets können effektiver ausgeschöpft werden, wenn Gründer früh auf die Usability ihrer Webseite achten.

Stellen wir uns ein Gründungsteam vor, das bei Google Werbung für ihre Seite schaltet, um mehr Neukunden zu gewinnen. 10.000 neue hoffnungsvolle Besucher gelangen auf die Seite. Dort werden sie jedoch verwirrt.

Der Mehrwert des Angebots wird nicht richtig kommuniziert. Das Layout ist unaufgeräumt und der Button zur Registrierung geht inmitten einer Wolke von Bildern unter. Es melden sich nur wenige Besucher auf der Seite an. Die Anmelderate (Conversion-Rate) liegt bei niedrigen 0,5 Prozent.

Die Webseitenbetreiber werden nervös, verbessern nun gezielt die Usability der Landingpage und steigern die Conversion-Rate auf 5 bis 8 Prozent. Während einst pro 10.000 Besucher nur 50 Neukunden gewonnen werden konnten, melden sich nun 800 neue Nutzer (pro 10.000) an.

Durch die verbesserte Usability wurden die Marketingkosten pro Neukunde drastisch reduziert und damit das bestehende Marketingbudget viel effizienter genutzt. Im Vorfeld einer größeren Online-Marketing-Kampagne sollte daher immer die Usability der Landingpage optimiert werden, damit Marketinggelder nicht verschwendet werden.

  • Messen Sie die Conversion-Rate Ihrer Landingpages mit einem quantitativen Web-Tracking-Tool.
  • Führen Sie Usertests durch und testen Sie Bedienbarkeit, Wording und Kundenansprache. Identifizieren Sie Schwachstellen und optimieren Sie danach das Wording und gegebenenfalls die Struktur der Landingpage.
  • Messen Sie die Veränderung der Conversion der Landingpages, idealerweise mit einem A/B-Test.

Je höher die Conversion-Rate, desto besser können Sie Ihr Online-Marketing skalieren.

Usability steigert Umsätze

Usability steigert Umsätze

Userlutions Team | Sep 19, 2011 | User-Experience-Tipps

Als Betreiber einer Webseite sollte man um das Wohl seiner Nutzer bemüht sein und sich daher schon möglichst früh in der Konzeption um eine einfache Bedienbarkeit und Verständlichkeit seiner Webseite bemühen.

Die Usability wird für den Erfolg der Webseite umso wichtiger, je breiter und unspezialisierter deren Zielgruppe ist. Gerade im Web ist jedes potentielle Konkurrenzangebot nur einen Klick entfernt.

Usability wird damit zum wichtigen Wettbewerbsfaktor, der bestimmt, wie gern und wie häufig Nutzer ein Webangebot in Anspruch nehmen.

Regelmäßig steigen die Umsätze von Webshops, nachdem deren Usability verbessert wurde. Die Kunden finden interessante Produkte schneller, sind überzeugter von den Produktbeschreibungen oder brechen den Bestellprozess seltener ab.

Usability-Verbesserungen können so Umsatzsteigerungen von mehreren 10 Prozent generieren. In den Anfangsjahren des Webs waren es mitunter sogar mehrere hundert Prozent.

Im E-Commerce-Bereich sind fortlaufende Usability-Optimierungen daher ein Muss, gerade weil sie sich schnell amortisieren. Usability ist damit kein reines „nice-to-have“, sondern eine betriebswirtschaftlich begründbare Investition.

  • Achten Sie sich schon während der Konzeption Ihrer Webseite auf die Faktoren Bedienbarkeit und Verständlichkeit
  • Führen Sie Usability-Tests mit typischen Nutzern durch, indem Sie häufige Nutzungsszenarien mit diesen Nutzern durchgehen und Empfehlungen ableiten
  • Testen Sie regelmäßig und häufig, um bei jedem Feature und jeder Änderung Ihrer Webseite eine hohe Nutzerfreundlichkeit sicherzustellen

Nächstes Mal geht es weiter mit: „Usability unterstützt das Online-Marketing“.

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